U30 im Stadtrat? in Herten sind das exakt zwei Menschen – Numan Terzi (SpD, l.) und Felix Wende (CDU) – beide 30 und seit 2020 dabei. Im Interview erzählen sie von politischen Plot-Twists und warum junge perspektiven nicht bloß nice-to-have sind.
Wenn der Stadtrat ein Filmgenre wäre, welches wäre Herten?
Bis vor Kurzem hätte ich gesagt: harmonisch, fast ein Feelgood-Film. Dann kam die Olympiadebatte – Plot-Twist. Jetzt eher Polit-Drama mit gelegentlichem Knall.
Wann hast du entschieden: Nicht meckern, sondern mitentscheiden?
Politik hat mich früh interessiert und junge Perspektiven fehlen – nicht weil Ältere es schlecht machen, sondern weil Lebensrealitäten sich unterscheiden. Bei Schule, Ausbildung, Mobilität oder Freizeit muss jemand am Tisch sitzen, der nah dran ist. Viele sind gerade wieder politischer, klar – aber zwischen Interesse und Engagement liegt noch ein Schritt. Den müssen wir gehen.
Welche Debatte hat dich zuletzt überrascht?
Die Rosa-Parks-Schule. Erst Ablehnung, später neues Konzept – und dann doch die Entscheidung für den Neubau. Das war ein Moment, wo man merkt: Einigung geht, wenn alle wollen.
Wenn du Herten mit einem Geschenk sofort jugendfreundlicher machen könntest, was wäre es?
Einen echten Treffpunkt: Gastronomie, Kino, Bowling, Veranstaltungen – ein Zentrum, das abends lebt. Herten hat Spots genug, aber zu selten regelmäßige Angebote.
Welches Vorurteil über deine Generation begegnet dir immer wieder?
Dass ‚die Jugend‘ eine homogene Gruppe sei. Ist sie nicht. Wenn wir über Jugend sprechen, müssen wir alle mitdenken: sozial Schwächere, weniger Sichtbare, unterschiedliche Hintergründe.
Herten in drei Schlagworten?
Zechen. Naherholung. Zukunft.
Wo gehst du hin, wenn du mal ein Reset brauchst?
In den Schlosspark. Als Kind Kita-Ausflüge, später sogar unsere Trauung im Schloss – und heute drehen wir da mit unserem Sohn Runden. Und wenn einem dabei ein Reh über den Weg läuft, merkt man: Jetzt ist wirklich kurz Pause.
Wenn der Stadtrat ein Filmgenre wäre, welches wäre Herten?
Für mich Coming-of-Age: Strukturwandel als Dauerplot. Mal Drama, mal Comedy – aber am Ende geht’s darum, erwachsen zu werden: solide Finanzen, vernünftige Infrastruktur, Zukunftsfähigkeit.
Wann hast du entschieden: Nicht meckern, sondern mitentscheiden?
In der Schulzeit: „Gute Nacht G8“, wir sind nach Düsseldorf demonstrieren. Danach wurde ich Schülersprecher und hab
gemerkt: Mitgestalten ist spannender als sich nur aufzuregen. Das war der Start – Abi, Junge Union, CDU, Rat.
Welche Debatte hat dich zuletzt überrascht?
Das Feuerwehrgerätehaus Scherlebeck – das tat weh. Wir reden über Sicherheit, dass jemand kommt, wenn’s brennt. Rat relativ einig, aber draußen massiver Protest. Da prallt Gemeinwohl auf Egoismus: „Ja, wichtig – aber bitte nicht bei mir.“
Wenn du Herten mit einem Geschenk sofort jugendfreundlicher machen könntest, was wäre es?
Dass wir Vernetzung ernst nehmen – im Kreis, mit Unis und Ausbildungsstätten. Wir müssen dieses Leuchtturmdenken loswerden. Gerade beim ÖPNV: Wie kommen junge Leute schnell, sicher und auch nachts gut von A nach B, um die Angebote drumherum problemlos nutzen zu können?
Welches Vorurteil über deine Generation begegnet dir immer wieder?
Dieses: zu jung, zu wenig Erfahrung. Zu oft wird nach dem Alter und zu selten nach Ideen gefragt. Dabei leben wir am längsten mit dem, was heute entschieden wird.
Herten in drei Schlagworten?
Heimat. Zeche. Halde.
Wo gehst du hin, wenn du mal ein Reset brauchst?
Mit dem Fahrrad auf die Halde, in die Ried oder das Backumer Tal. Reset geht bei mir grün. Und wenn’s sportlich sein soll: abends noch Bahnen im Copa Ca Backum– Luxus, den viele Städte nicht mehr haben.