Fred Toplak hat am 3. November seine zweite Amtszeit als Bürgermeister der Stadt Herten angetreten. Über seine Pläne und die Arbeit der Zukunft spricht er im Interview mit HERTEN ERLEBEN.
Sie sind zum zweiten Mal im Amt: Was war beim Start diesmal anders?
Welches Thema drängt besonders? Fred Toplak: Ich war ja nie weg: Nach meiner ersten Amtszeit habe ich mich in die andere Reihe gesetzt und es genossen, fünf Jahre Ratsarbeit zu machen. Aktuell bekomme ich viel positives Feedback, weil die Leute in der Stadt, aber auch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung mich seit zehn Jahren kennen und wissen, was sie von mir erwarten können. Das macht vieles einfacher.
Inwieweit organisieren Sie die Verwaltung neu?
Ich habe mir bereits im Vorfeld intensiv Gedanken gemacht, um vom ersten Tag an effizient arbeiten zu können. Ein zentraler Schritt wird der Zusammenschluss bestimmter Bereiche sein, um Strukturen zu vereinfachen und die Leitungsebene zu verschlanken. Dadurch schaffen wir klarere Verantwortlichkeiten und stärken die Zusammenarbeit – mit dem Ziel, Abläufe insgesamt spürbar effizienter zu gestalten. Das Ziel ist klar: Wir wollen mit flexiblen Arbeitsformen, der Förderung von Wohlbefinden und verantwortungsvollem Einsatz von KI eine moderne Verwaltung schaffen, die Mitarbeitende entlastet, sie motiviert und bürgernah handelt.
Welche Ideen haben Sie für die Zusammenarbeit mit dem Rat?
Ein Hauptthema ist natürlich Kommunikation. Die Pressestelle ist jetzt Stabsstelle für Medien und Kommunikation mit neuen Aufgaben. Wir werden versuchen, uns kommunikativ breiter aufzubauen und die Ratsmitglieder intensiver, schneller und zeitlich mit mehr Vorlauf zu informieren, damit Fristen verlässlich eingehalten werden und wichtige Informationen nicht erst kurz vor der Sitzung vorliegen. Ab Januar werde ich regelmäßig gesammelte Informationen aus den Dezernaten an die Mitarbeitenden senden, damit alle über wichtige Vorgänge informiert sind.
Im Rat Mehrheiten zu organisieren, dürfte schwerer werden...
Das sehe ich überhaupt nicht so! Wir haben im neuen Rat starke Fraktionen, und ich bin mir sehr sicher, dass sie die großen und wichtigen Prozesse der Stadt konstruktiv begleiten werden. Meine Aufgabe ist es, gute Projekte für Herten vorzuschlagen, Vorlagen gut vorzubereiten, der Politik zu erklären und zu sagen: So, jetzt entscheidet ihr bitte.
Die Finanzlage ist schwierig, Herten ist klamm. Wie geht man damit um?
Auch diese Metapher ist nicht meine. Ich sehe das so: Wenn ich in den Urlaub fahre ohne Geld in der Tasche, dann muss ich eben den Urlaub anders machen. Es muss mein oberstes Ziel sein, die Bürgerinnen und Bürger, aber genauso auch das Gewerbe zu entlasten. Das Fernziel ist, die Grundsteuer B, die alle Bürgerinnen und Bürger betrifft, und die Gewerbesteuer in Herten dauerhaft zu senken.
Auch auf Kosten von Investitionen?
Nein, investive Ausgaben sind etwas anderes. Mit geht es um eine spürbare Entlastung, die Unternehmen stärkt und Arbeitsplätze sichert: Ich will den Gewerbesteuer-Hebesatz um 100 Punkte senken. Am Ende des Tages soll mehr Gewerbesteuer reinkommen – indem wir Unternehmen so weit stärken, dass wir langfristig von ihrem Erfolg profitieren.
Was verändert sich sonst noch in der Wirtschaftsförderung?
Ich habe immer gesagt. Wirtschaft ist Chefsache! Deshalb wird die Wirtschaftsförderung eine Stabstelle direkt beim Bürgermeister. Wir wollen uns auf die Pflege der Bestandsunternehmen fokussieren – und auf innovative Investoren, indem wir die HTVG als Technologieentwicklungsgesellschaft eng mit der Wirtschaftsförderung verzahnen und Spezialgebäude anbieten. Das hat schon bei Cummins gut funktioniert.
Gewerbeflächen und Wohngrund sind in Herten knapp. Reicht es, auf Nachverdichtung zu setzen?
Wir werden mit dem RVR in Verhandlung gehen mit dem Ziel, dass wir Flächen tauschen. Es macht keinen Sinn, eine Fläche als Allgemeinen Siedungsbereich im Regionalplan ausgewiesen zu haben, wenn wir wissen, dass diese nie bebaut werden wird. Wir sollten auf Flächen setzen, bei denen wir eine realistische Chance haben, die Fläche für Wohnbebauung oder Gewerbe zu erschließen.
Welche Angebot planen Sie für junge Menschen in Herten?
Ich sehe Jugendliche nicht als Zielgruppe, sondern als Teil der Lösung. Dafür müssen wir sie allerdings ernst nehmen und beteiligen. Hier könnte ich mir ein digitales Jugendparlament nach Ideen von „OurGenerationZ“ vorstellen, einer bundesweiten Jugendinitiative, die Formate anbietet, bei denen Jugendliche auf Augenhöhe miteinander kommunizieren und Ideen entwickeln.