50 Unternehmen, 600 Arbeitsplätze und neun Jahre Tempo: Die Stadt Herten und die eigens gegründete Entwicklungsgesellschaft Schlägel & Eisen mbH haben die ehemalige Zechenfläche vollständig vermarktet – und das schneller als ursprünglich gedacht.
Was heute so selbstverständlich wirkt, begann mit einer klaren Idee: die Fläche eng an die städtische Infrastruktur anbinden, statt neue Baugebiete „auf der sprichwörtlichen grünen Wiese“ zu versiegeln. Das war eines der Ziele der Revitalisierung, erklärt Stadtbaurätin und Erste Beigeordnete Janine Feldmann.
Das Konzept hat offenbar den Nerv der Unternehmen getroffen. Als die EGSE 2016 mit der Vermarktung startete, setzte man sich ambitionierte, aber realistische Ziele: 75 Prozent der Fläche in zehn Jahren veräußern, dazu rund 400 neue Arbeitsplätze schaffen. Heute zeigt sich: Es ist mehr geworden – viel mehr. Binnen neun Jahren waren 100 Prozent vermittelt und 600 Arbeitsplätze entstanden.
„Wir freuen uns sehr, dass dieser Standort auf so großes Interesse gestoßen ist“, sagte Hertens seinerzeitiger Bürgermeister Matthias Müller beim Pressetermin Ende September. Und er erinnerte an einen Satz, der sich tief ins Gedächtnis vieler Hertener eingeprägt hat:
„Als die Zeche im Jahr 2000 schloss, hieß es auf Transparenten: ‚Stirbt die Zeche, stirbt auch die Stadt‘. Wir haben nun eindrucksvoll gezeigt: Es gibt ein Leben nach der Zeche.“
Von Event bis Pyrotechnik
Dieses neue Leben sieht ziemlich gut aus: Wo einst Fördertürme und Schornsteine dominierten, stehen heute moderne Gewerbebauten, umgeben von einem grünen Bürgerpark. Die beiden sanierten Gerüste, die hoch über dem Gelände thronen, sind die letzten Zeugen der fossilen Vergangenheit – ergänzt durch einige historische Gebäude, die der Fläche Charakter geben.
Dazwischen: ein bunter Branchenmix. Besonders stark vertreten sind Unternehmen der Veranstaltungsbranche.
„Viele Betriebe konnten am neuen Standort weiteres Wachstum verzeichnen“, berichtet Frauke Wiering von der städtischen Wirtschaftsförderung.
EGSE-Mitgeschäftsführer Christoph Happe von der RAG Montan Immobilien GmbH kennt den Vergleich zu anderen Bergbauarealen:
„Die Vermarktung nach nur neun Jahren ist außergewöhnlich erfolgreich.“
Ohne Fördermittel ging es natürlich nicht: 14,36 Millionen Euro – von EU, Bund und Land – flossen in Sanierung, Erschließung und Entwicklung. Die Stadt steuerte weitere 3,64 Millionen Euro bei. Die Unternehmen legten jedoch noch eine Schippe drauf: Über 40 Millionen Euro investierten sie allein in die Gebäude – also mehr als das Doppelte der Fördergelder.